Die Social-Media-Kolumne mit @luebue, Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Digitale Strategie, achtung! +++
Wisst ihr noch? Damals? Auf dem Schulhof? Ja, auch bei uns, obwohl es mir so richtig krass erst aufgefallen ist, als ich unsere Partnerschule in Fresno, Kalifornien, besuchte. Eine katholische Privatschule und so. Danach sah ich sie auch deutlicher in unserem Vorort im Speckgürtel von Hamburg.
Es gab diese Typen, die immer vom Sex redeten. Immer. Diese Poser – nicht die ganz coolen, aber die, die es sein wollten. Wilde Geschichten über die lebensverändernden Erlebnisse. Phantasien von interessanten Praktiken, großer Ekstase, Bewunderung. Und doch alles nur epigonal. Ich gebe zu, dass es eine Phase gab, in der ich dazu gehörte und auch so war. Fiebrig, pubertär, fanatisch. Logisch, da muss man durch. Das war vorbei, als ich das erste Mal Sex hatte.
Und auf einmal sah ich es klarer: Jede Party haben sie mitgenommen und dort große Reden geführt. Lustigerweise hingen vor allem die anderen Poser an ihren Lippen. Wenn ich daneben stand mit meiner Freundin im Arm und lachte, fiel es auf: Da standen sie, die Helden, und bewunderten sich gegenseitig ob der detailverliebten Phantasien ihres imaginären Sex. Ein ulkig selbstreferenzielles System.
Doch irgendwann waren sie dann allein auf diesen Partys. Die wirklich coolen, die, die schon Sex hatten, hatten Besseres zu tun. Und die anderen machten sich auf die Suche nach eigenen Erfahrungen. Nur diese Typen, die immer noch ununterbrochen von Sex redeten, merkten das nicht. Und waren am Ende immer noch da. Ohne Sex.
Social Media, sagen manche, sei Rock’n’Roll oder Punk oder eine Revolution. Ich finde ja eher, Social Media ist Sex. Aufregend, ja. Aber auch normal und irgendwie alltäglich. Zumindest für Erwachsene.
16.2.2010
Netter Vergleich. Weniger drüber reden, sondern machen bzw. einfach die Existenz akzeptieren. Aber die Diskussionen über Social Media fangen schon bei einer adäquaten Übersetzung für “Social Media” an. Da wir gradfe beim Thema sind: “It’s not rocket science” kann man besser mit “Macht keine Wissenschaft draus” übersetzen (“Das ist keine Raketenphysik => Überschrift”????)
Guter Vergleich. Und zum Thema Selbstreferenz schreibe ich auch gerade etwas – weil es einfach viel zu offensichtlich ist, in diesen Social Media…
Und sie haben bestimmt auch “Die besten 10 Stellungen”-Listen erstellt
Genau. Machen statt quatschen. Aber im Gegensatz zu Sex, der vielleicht ganz antiquiert auch mal als Ausdruck von Liebe gelten und entsprechend als Geschenk verstanden werden kann, muss man, um es machen zu können, sich die Kunden und Projekte hart erarbeiten. Das ist aber nicht anders als bei allen anderen Projekten auch. Und wenn man es geschafft hat, muss man die Inhalte finden, die Ausdrucksformen, die Kommunikationsmechanismen. Die findet man aber leider nicht in fragmentierten @reply-Diskussionen auf Twitter oder in Hahnenkämpfen um einen Haufen Mist (welche die wahre Motivation dieser ganzen Meta-Diskussionen bilden).
Endlich wird diese Debatte – die längst überfällig ist – mal flächendeckender angestoßen.
Jeder, der – ob Agentur oder Unternehmen – Social Media-Erfahrungen gesammelt hat, weiß doch im Grunde genommen schon länger, dass mit den “Poser-Tipps” nicht viel anzufangen ist.
Also, hoffentlich bald mehr Best Practice und weniger pubertäres rumgewichse.